Schweden: LASST DIE WÖLFE IN RUHE!

Edvin "Sarek" Nilsson, Naturfilmer, ehemaliger Nationalparkranger, Schriftsteller, Jäger und "Urgestein" des Nordens positioniert sich in der schwedischen Tageszeitung Helahälsingland zum Streit über die Wölfe in Schweden und meint: Lasst die Wölfe in Ruhe!

Bereits seit dem ich vor ungefähr vier Jahren nach Hälsingland gezogen bin, verfolge ich mit Interesse die Wolfsdebatte.
Das Interesse besteht auf Grund meiner eigenen Wolfserfahrungen und auch zu den anderen großen Raubtieren Vielfraß, Bär und Luchs, die aus meiner mehr als 20 Jahren dauernden Arbeit als Naturschutzbeauftragter in den Nationalparks Sarek, Padjelanta, Stora Sjöfallet und im Urwald Muddus resultiert. Ich war auch einige Jahre Leiter, der von der Landesverwaltung von Norrbotten eingesetzten Ranger.
In Norrbotten (Anmerkung: nördliche Provinz Schwedens am Bottnischen Meerbusen) sind es die Rentierhalter, die die Raubtiere nicht in ihren Weidegebieten haben wollen, ansonsten sind die Menschen diesen Tieren wohlgesonnen, weil sie schon immer zur Natur gehörten. Hier weiter südlich ist die Erfahrung mit den Bären und Wölfen in den Wäldern neu, was die Diskussionen darüber erklären könnte.
Allzu oft wird in der Wolfsdebatte behauptet, dass es noch nie so viele Wölfe gab wie gegenwärtig. Das ist eine absolut falsche Behauptung. Der Beweis ist die Statistik, die die Forstverwaltung ab dem Jahr 1827 dokumentiert hat. Zwischen 1827 und 1836 wurden durchschnittlich 542 Wölfe pro Jahr getötet.
Wie lebten hier auf dem Lande die Menschen beispielsweise während des 19. Jahrhunderts? Das Land war dünn besiedelt, viele Menschen waren arm. Manchmal besaßen sie nur eine Kuh, von der das Überleben der Familie abhängig war. Außerdem waren die Elche fast ausgerottet und es gab nur einige in den südlichen Regionen des Landes.
Dass man in dieser Situation das Mögliche unternahm um den Wolf auszurotten, ist vollkommen nachvollziehbar.Aber, dass wir heute in einem verhältnismäßig wohlhabenden Land einen Wolfsbestand von 380 – 400 Tieren nicht akzeptieren  wollen, ist bemerkenswert.
Die Menschen, die von der Nutztierhaltung leben, bekommen eine Entschädigung, wenn eines ihrer Tiere getötet wird und erhalten Hilfe für Präventionsmaßnahmen. Diese Kosten sind für uns heutzutage gering.
Wenn man jeder Gruppe von Menschen erlauben würde, eine ihr „unbequeme“ Tierart auszurotten, wäre das Tierleben auf der Erde sehr arm.
In Bezug der Anzahl der verletzten und getöteten Jagdhunde, die in der Wolfsdebatte angeführt wird, sieht die Statistik des Versicherers Agria für das Jahr 2012 folgendermaßen aus: 628 im Straßenverkehr, 20 von Jägern, 50 von einem Zug, 6 durch Wolf, 3 durch Luchs, 1 durch Bär, 138 durch Wildschwein und 98 durch andere Wildtiere.
Wenn man seinen Hund in der Wildmark frei laufen lässt, sollte man niemals davon ausgehen, dass eine Verletzung oder die Tötung des Hundes auszuschließen ist. In all den Jahren meines Jägerlebens, habe ich immer einen Bandhund auf das Wild geführt, einer Jagdart bei der man die ganze Zeit im Zentrum des Geschehens steht. Sicherlich ist das anspruchsvoll, aber sehr erfolgreich. (Anmerkung: Bei dieser Jagdmethode, schwedisch: Jakt med bandhund, verweist der an der langen Leine geführt und ruhig arbeitende Jagdhund dem Jäger das Wild oder das Wild wird zu einem weiteren Schützen, der am Wildwechsel seinen Stand bezogen hat, gebracht.) Und im Hinblick auf die Agria Statistik empfehle ich den Jägern, diese Form der Jagd zu erproben.
Zuletzt hörte ich im Norden einen wilden Wolf heulen. Ich stand bei Vollmond auf dem Eis des Sees Sitojaure bei minus 35 Grad. Als das Heulen des Wolfs vom Ultevis-Massiv erklang, machte dieses Erlebnis auf mich so einen emotionalen und unvergesslichen Eindruck, dass ich hoffe, zukünftige Generationen werden etwas Ähnliches noch erleben können.

Edvin "Sarek" Nilsson

Quelle: helahälsingland.se, 21.01.2014


Nammatj, heiliger Berg der Samen, Sarek Nationalpark (Lappland)

Benutzeranmeldung

Outdoortouren im Nordland

http://www.wolflandtours.de/