Schwedens populärste Wölfin im Fokus der Medien

Schwedens populärste Wölfin zurück im Fokus der Medien
von Peter Peuker

Sie kam aus dem Osten. Die „Kinderstube“ befand sich irgendwo in den unendlichen Wäldern in denen die Wölfe der Finnisch-Russischen Population verbreitet sind. Auffällig war ihr rötlich gefärbtes Fell und deshalb erhielt sie von Menschen den Namen „Rote Wölfin“.
Wie es die Bestimmung vorsieht, begab sich dieser Jungwolf auf Wanderschaft, um ein Territorium und einen Partner zur Familiengründung zu finden. Auf der Westroute gelangte der Wanderwolf über die finnische Grenze ins weite und dünnbesiedelte Nordschweden. Dort gibt es für Wölfe zwar viele geeignete und unbesetzte Lebensräume, aber auch Herden von Rentieren und die gehören dem indigenen Volk der Sámi (Samen).
Wölfe und Rentierzucht, dass ist die Crux. Tauchen Wölfe in den Rentierwirtschaftsgebieten Schwedens auf, steht es sehr schlecht um deren Überlebenschance. Die Sámi-Gemeinden stellen alsbald einen Antrag auf eine sogenannte Schutzjagd, denn die Raubtiere fressen vornehmlich deren Rentiere. Der behördlichen Genehmigung eines solchen Antrages steht meist nicht allzu viel entgegen, es sei denn, es handelt sich um einen „wertvollen“ Wolf. Und die Rote Wölfin war genau solch ein Wolf, weil sie für die stark von Inzucht betroffene Skandinavische Wolfspopulation „wertvolle“ Gene in sich trug, die ihr die Eltern aus dem Osten vererbt hatten. Ein Ziel im schwedischen Wolfsmanagement besteht in der Senkung des Inzuchtkoeffizienten der Population, denn dieser liegt dort gegenwärtig bei etwa 0,25*. Aus diesem Grund wurde vom schwedischen Staat ein ziemlich großer Aufwand betrieben, die Wölfin aus der Gefahrenzone zu bringen und in südlichere Landesteile umzusiedeln. Das passierte nicht nur einmal, sondern zwischen 2011 und 2013 viermal, was insgesamt ca. 4,5 Millionen Kronen (540.000 Euro) gekostet hat. Unmittelbar nach der Ankunft in der neu bestimmten Heimat machte sich nämlich die Wölfin immer wieder über hunderte von Kilometern auf den Weg in den Norden zu den Rentieren.
Jede Umsiedlungsmaßnahme bedeutete eine große physische Belastung für das Tier durch Stress beim Narkotisieren, durch Beschuss vom Helikopter, Sedierung beim Transport nach Süden ins Aussetzgebiet… . Eine fünfte Umsiedlung war aus diesem Grund der Wölfin nicht mehr zu zumuten.
Die Rote Wölfin wurde 2012 von den Medien zur „Junsele-Wölfin“ umgetauft, weil sie ein neues Territorium unweit der Ortschaft Junsele mitten in einem Rentierwirtschaftsgebiet der Provinz Västernorrland besetzte und sich dort mit einem Rüden zusammen tat. Der Rüde ist nach behördlicher Genehmigung im Januar 2013 abgeschossen worden und die Wölfin transportierte man Mitte März wieder in den Süden irgendwo östlich von Uppsala. Unverzüglich brach sie aber wieder von dort in Richtung Norden auf, wo sie Ende März 2013 nach 500 getrabten Kilometern in der Region Junsele eintraf.
Die letzten Nachweise bzw. Hinweise des mittlerweile populärsten Wolfs Schwedens gab es im Winter 2013/2014. Im Dezember 2013 deuteten Spuren im Schnee daraufhin, dass die Junsele-Wölfin einen neuen Partner gefunden haben könnte und einige Monate später war sie spurlos verschwunden. Seit dem wurde über das Verschwinden dieser Wölfin viel spekuliert, aber mehr ergab sich auch nicht. Der Schwedische Raubtierverband lobte eine Prämie von 100.000 Kronen für sachdienliche Hinweise aus. Bei einem im September 2015 südlich von Junsele an einem Wasserkraftwerk aufgefundenen Kadaver wurde vermutet, dass es sich um die Junsele-Wölfin handeln könnte. Im Ergebnis der DNA-Analyse stellte sich jedoch „Hund“ heraus.
Diese Wölfin wurde mit dem Zeitpunkt ihrer Einwanderung nach Schweden „Gegenstand“ der Auseinandersetzung politischer Gremien, von Behörden, Naturschutzorganisationen, Landnutzern, Verwaltungsgerichten und in den Medien.
Aktuell ist die berühmte Wölfin wieder in den Fokus gerückt, denn sie soll gesehen worden sein und zwar tot in einer Tiefkühltruhe. Darüber berichtet der Journalist Bertholof Brännström in der Zeitschrift Filter, Ausgabe Juni/Juli 2017. Er beruft sich dabei auf eine Quelle, die jedoch um jeden Preis anonym bleiben will. Demnach hat die Person selber auf einem Foto den Wolf tot in einer Gefriertruhe gesehen und ist sich „110 %-ig“ sicher, dass es sich um das verschwundene Tier gehandelt hat. Als Erkennungsmerkmal wurde von der Quelle das markante rote Fell benannt. Auch die Polizei in Strömsund, die den Fall auf den Tisch bekam, bewertet die Quelle für glaubwürdig. Wobei unbekannt ist, auf welcher Faktenbasis man bei der Polizei zu dieser Bewertung gelangte. Die Staatsanwaltschaft in Östersund anerkennt jedoch die Tatsache, dass Hinweise einer anonyme Quelle sehr dürftig sind und man schon etwas mehr benötige, um tätig zu werden. Zum Beispiel jemanden der bereit ist, bei der Polizei eine Aussage zu machen.
- Alle Hinweise die wir erhielten waren anonym und es gab niemanden der für ein polizeiliches Verhör zur Verfügung stand. Es handelte sich lediglich um Angaben und wir versuchten darüber etwas mehr heraus zu bekommen, sagt Umweltstaatsanwalt Christer Jarlås in Östersund gegenüber dem Nachrichtensender SVT Nyheter Jämtland. Für eine Hausdurchsuchung reichte das alles nicht aus. (1)
Zwangsläufig stellt sich die Frage: Warum sollte ein Wilderer ausgerechnet diesen Wolf in seiner Gefriertruhe aufbewahren, der ganz einfach durch eine DNA-Analyse zu identifizieren wäre und das, obwohl Gefängnisstrafe für Wilderei in Betracht kommt?
- Ich meine, in einigen Kreisen ist es eine „Heldentat“ so etwas zu tun, sagt der Journalist Brännström und glaubt, dass diese Leute damit prahlen einen Wolf geschossen zu haben und Anerkennung bekommen wollen.(2)
Die beschriebene Situation über das mögliche Schicksal der Wölfin erscheint im Moment auf der Basis der vorliegenden Hinweise doch noch sehr fragil. Fakt ist, seit dem Winter 2013/2014 ist die Junsele-Wölfin verschwunden. Was danach kam erwies sich bisher als falsch, als Spekulation oder aktuell als Hinweis einer anonymen Quelle, die sich um keinen Preis öffentlich bekennen will.

*Der Inzuchtgrad (Inzuchtkoeffizient) wird nach dem Anteil identischer Gene (Allele) mit gemeinsamem Ursprung, die die Individuen von ihren Eltern erben, beurteilt. Der Inzuchtkoeffizient variiert zwischen 0 und 1 und ist umso höher je verwandter die Eltern sind. Beispielsweise ist der Inzuchtkoeffizient bei Nachkommen von Geschwistern 0,25, während er bei 0,13 liegt, wenn die Nachkommen Cousin/Cousine sind.

Quellen:
(1) svt, NYHETER, Jämtland, 21. Mai 2017
(2) svt, NYHETER, Västernorrland, 19. Mai 2017
zahlreiche Hintergrundinformation über die Junsele-Wölfin auf www.AmarokTV.de


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