Skandinavien/Forschung: „Individuenumsatz“ bei reviermarkierenden Wolfspaaren

Der Wissenschaftler Cyril Milleret präsentierte und verteidigte seine Untersuchung
“Spatial ecology of wolves in Scandinavia - from spatio-temporal dynamics of wolf pairs to wolf population dynamics” am 2. Dezember. Darin werden die Ursachen dargestellt, welche Faktoren zu einem Wechsel (Umsatz) der erwachsenen Individuen bei reviermarkierenden Wolfspaaren führen.

Bei bestimmten Arten existieren lebenslängliche Paarbildungen der erwachsenen Individuen (Monogamie). Diese bilden dann Familienverbände, die aus den beiden Elterntieren und deren Nachkommen aus den Vorjahren bestehen. Solche dauerhaften Paarbildungen haben eine große Bedeutung für die gesamte Populationsdynamik, weil diese die reproduzierenden Elemente in der Population sind. Genauso funktioniert auch ein Wolfsrudel. Manchmal kommt es vor, dass ein oder beide Elterntiere verschwinden, Partner wechseln oder sterben aus verschiedenen Gründen. Das Ausmaß und die Frequenz dieser Dynamik unter den erwachsenen reproduzierenden Wölfen sind jedoch weitgehend unbekannt und die Faktoren, die dies beeinflussen. In dieser Studie untersuchten wir die Kontinuität der individuellen Zusammensetzung von 153 verschiedenen reviermarkierenden Wolfspaaren in der skandinavischen Wolfspopulation während einer Zeitspanne von 14 Wintern. Dabei wurden die Daten aus der Bestandserfassung (Inventur) mit DNA-Analysen aus gesammelten Losungen oder dem Blut narkotisierter Tiere verwendet. Während des Untersuchungszeitraumes sind
119 Separationen von Paaren festgestellt worden, das bedeutet, dass sich 78 % der Paarverbindungen gelöst haben. Die am häufigsten festgestellte Zeitspanne für bestehende Paarverbindungen war über drei Winter, d.h. diese dauerten 2 Jahre. Die Variation betrug aber von 1 bis 12 Winter. Die Chance, dass eine Paarverbindung derselben Individuen von einem zum darauffolgenden Winter Bestand hatte lag bei 68 %. Eine Trennung der Paare war im Allgemeinen damit gekoppelt, dass ein oder beide Individuen des Paares starben und war oft verursacht von äußeren, d.h. anthropogenen Gründen.
Die häufigste Ursachen für die Separation der Paare waren Schutzjagden (37 %), nachgewiesene Wilderei (9%) und verkehrsbedingte Ursachen (2%). Andere sogenannte interne Faktoren, wie Krankheit oder Alter, entfielen lediglich auf 8 % der Paarauflösungen. Für die verbleibenden 44 % der festgestellten Paarauflösungen waren die Ursachen unklar, aber nach unserer Einschätzung ist für einen großen Teil dieser Fälle nicht nachgewiesene illegale Jagd die Ursache.
Weitere bedeutsame Faktoren sind die geografische Lage der Territorien der Paare. Das Risiko für eine Paarauflösung erhöhte sich mit einem größeren Abstand vom Kerngebiet der Population und mit Etablierung in westlichen Regionen. Letztlich konnten wir feststellen, dass der Inzuchtgrad bei den Wolfsrüden (nicht bei den Fähen) einen negativen Effekt auf die Dauerhaftigkeit der Paarbildung hatte. Die Mechanismen für dieses Ergebnis sind gegenwärtig noch unbekannt, könnten aber in Verbindung mit der niedrigeren Vitalität der von Inzucht betroffenen Individuen betrachtet werden.

aus dem Schwedischen: Peter Peuker
Quelle: De5Stora, November 2016

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